Arbeitslos? - Aber nicht wehrlos!
Hartz IV
Ja, das haste:
'ne Sozialwohnung weit draußen in grauer Tristesse
vorn der Bahnhof, hinten die Freizeit-Messe
mit öder Aussicht auf Fabrikfassaden,
Asphaltstraße und 1-€-Laden
aber morgens zum Kiosk hast du's nicht weit
dann säufst Du Dir schön die Wirklichkeit
Schlafplatz? Eher feuchtes Loch, wo Pilze gedeih’n
sich Armut und Resignation an Verzweiflung reih'n
Großbild TV, MP3 und PC
zuhause verwesen tut keinem sehr weh
Bildung ist für dich der Griff in die Tonne
Freizeit ist gratis unter der Sonne
Bewegung verschaffen dir Ämtergänge
langes Warten verkürzt sehr deine Lebenszeitlänge
zur ARGE musst Du mindestens 2x im Jahr
Schuldnerberatung, GEZ und Tralala
Alle 3 Monate zur Fallmanagerin
für Anderes ist da nicht mehr viel drin
Fazit: Viele Darlehen und noch mehr Schulden
Keinen Partner oder schlimmer: Einen erdulden!
Ja, und das habe ich ganz vergessen:
Armenküche Fettes Essen -
Speisen ohne Nährwert mit viel Glutamat
so schmeckt der Snack nicht ganz so fad
die Kasse leer, wächst nur die Wampe
zur Treppe brauchste bald 'ne Rampe
Gesundheit schwindet immer mehr
fühlst dich verbraucht, versehrt und leer
und an Gram eine richtige Portion
und Desillusion - noch mehr Desillusion
1-€-Zwang führt zu noch mehr Grauen
nicht ratsam auf Hilfe vom Amt zu bauen
Armut errichtet weitere Mauern, hinter der
Depression und chronische Erkrankung lauern
Ja, das haste!
Aber was dir hilft beizeiten
sind Änderungen einzuleiten
wir wollen sowenig: Tun. Sein. Und gelten.
Das einer aussteigen kann:
das ist selten.
(© Anja Linz, nach Tucholsky „Das Ideal")